Sonntag, 14. Dezember 2014

Die Welt von CasaPound, 2014

Schwierigkeiten in der Toskana, Aufwind in den Abruzzen und weiterhin ein römischer Wasserkopf - das geht zumindest aus der Auswertung der Facebook-Daten hervor. Die neofaschistische Bewegung CasaPound ist demnach immer noch ein regionales Phänomen.


Vor einem Jahr habe ich im Blogartikel "Die Welt von CasaPound" die Verteilung der Facebook-Likes erhoben, um daraus zusammen mit den Ergebnissen der Kammerwahlen und der Verteilung der Sitze und Besetzungen Rückschlüsse auf die regionale Stärke der neofaschistischen Bewegung ziehen zu können. Gleichzeitig ging es auch um die Brauchbarkeit solcher Daten zur Analyse sozialer Bewegungen im Allgemeinen.
Nach einem ereignisreichen Jahr 2014 habe ich den Vorgang wiederholt - ein Jahr, das für CasaPound vor allem unter dem Zeichen der Konsolidierung und Neuorientierung stand; es galt, Konsequenzen aus dem schwachen Abschneiden bei den Wahlen vom Februar 2013 zu ziehen. Für CasaPound bedeutete dies seit dem Herbst eine Neupositionierung des Migrationsthemas in der eigenen Agenda und ab Frühjahr eine nationalistische "Italiener zuerst"-Kampagne, welche die Neofaschisten auf Linie und teilweise Seite an Seite mit der sich wieder im Aufwind befindenden Lega Nord brachte.

Sitze
Im Jahr 2014 konnte CasaPound zwei Sitze in der Toskana wiedereröffnet, deren Aktivitäten eingestellt worden waren; dazu kamen fünf neue Sitze in der Lombardei und Mittelitalien:

Wahlen
Im Mai fanden Europawahlen sowie Regionalwahlen in den Abruzzen und im Piemont statt. Bei den Europawahlen hinterlegte CasaPound zwar das Listenzeichen, scheiterte jedoch an der Hürde von 150.000 Unterschriften, die nötig gewesen wären, um zur Wahl zugelassen zu werden. Dennoch konnte die Bewegung laut eigenen Angaben in zwei Monaten über 85.000 Unterschriften sammeln (zum Vergleich: Bei den Kammerwahlen 2013 erhielt CP rund 48.000 Stimmen, trat jedoch nur in 14 der 17 Wahlkreise an).
Zudem wurden im selben Monat in mehr als der Hälfte der rund 8.000 italienischen Gemeinden Neuwahlen abgehalten. Die neofaschistische Bewegung trat in fünf Gemeinden an, konnte jedoch kein Mandat erringen. Die Ergebnisse lagen im Latium bei 2,6 bzw. 2%, und auch in Novate Milanese, wo eine Forza-Italia-Gemeinderätin zu CP gewechselt war und die erste Mandatarin der Bewegung gestellt hatte, wurde der Wiedereinzug klar verfehlt:

Facebook
Die Daten aus dem sozialen Netzwerk wurden am 13. Dezember 2014 erhoben. In allen drei Kategorien - Hauptseite CasaPound Italia, Regionalseiten und Städteseiten - ist ein Anstieg der Likes von rund 100% sowie die Einrichtung zahlreicher neuer Facebook-Seiten festzustellen (vgl. Datenblatt im Anhang).
Zugleich zeigt sich eine relativ konstante Differenz zwischen Hauptseite und summierten Städteseiten (2013: 30 %, 2014: 21 %), wodurch bei den Städteseiten ein relativ hoher Überschneidungswert von einem Viertel der Likes durch Mehrfachklicks zustande kommt.

Die Entwicklung der Likes verlief regional stark unterschiedlich: Während sich in den Abruzzen und den Marken die Likes mehr als verdreifachten und auch in den Regionen Latium und Lombardei der Anstieg überdurchschnittlich war, lagen die Zuwächse in Kampanien, Trentino-Südtirol und Umbrien zwischen 70-80% und in der Toskana gar nur bei 40% des Vorjahreswertes.

Der Großteil der Likes kommt immer noch aus den drei bevölkerungsreichsten Regionen Latium (32.000, im Folgenden mit T abgekürzt), Lombardei (11 T) und Kampanien (10 T), wobei allein Rom fast 10 T Likes verzeichnet. Den zweithöchsten Wert weist jedoch mit knapp 15 T die Region Abruzzen auf - das sind 11% der Likes bei einer Bevölkerung von 2,2%.

Fazit
Im Vorjahr lieferten die Daten Hinweise auf drei Schwerpunktregionen, zwei in Mittelitalien (Latium und Toskana) und eine im Norden (Trentino-Südtirol). Die wichtigsten regionalen Veränderungen im Überblick:
  • Im Latium und der Stadt Rom betrug der Zuwachs 160%, die Likes stiegen von 14 auf 32 T, ein Drittel hiervon entfällt auf die Hauptstadt selbst. Sechs neue Seiten wurden eingerichtet, Rom Zentrum ist mit 5,8 T nun absoluter Spitzenreiter vor Neapel mit 5,4 T Likes. Latium ist demnach immer noch der Wasserkopf der Bewegung, ein neuer Sitz wurde eröffnet und an zwei Gemeindewahlen teilgenommen.
  • In der Toskana wurden zwei Seiten geschlossen, der Zuwachs betrug nur 40 %. Die Region hat noch immer keine Regionalseite und liegt bei den summierten Städteseiten an fünfter Stelle. Diese Region schwächelt, und das scheint auch der Bewegung bewusst: Zwei inaktive Sitze wurden reaktiviert, ein neuer in Pescia eröffnet.
  • Im Trentino-Südtirol war der Zuwachs unterdurchschnittlich (67 %), die Regionalseite wurde eingerichtet. Trotzdem bleibt die hier in drei Städten vertretene Bewegung verglichen an der Bevölkerungszahl überdurchschnittlich stark.
  • Auch in der Region Kampanien mit Neapel war der Zuwachs moderat, jedoch wurden zwei neue Seiten eingerichtet und die Neapel-Seite ist immer noch eine der meistgeklickten Städteseiten.
  • In Umbrien war der Zuwachs ähnlich, in dieser Region hat CP aber zwei neue Sitze eingerichtet und sich in einer Gemeinde an den Wahlen beteiligt. Die Like-Verteilung ist auf die Bevölkerung bezogen überdurchschnittlich.
  • Wie schon erwähnt haben sich in der Region Abruzzen die Likes verdreifacht, bei den summierten Städteseiten liegt sie nun an zweiter Stelle, drei neue Seiten wurden eingerichtet. In Anbetracht der Tatsache, dass es hier sieben Sitze gibt, ist CP in dieser Region klar im Aufwind.
Insgesamt zeigt sich immer noch eine regionale Verteilung, die ihren Schwerpunkt in Mittelitalien (Latium, Abruzzen, Umbrien, Toskana, Kampanien) und insbesondere Rom hat, während die Bewegung abgesehen davon nur in Trentino-Südtirol und Bozen stärker aktiv ist.

Anhang
Datensatz der Erhebung von 2014 als .xlsx-Datei.