Sonntag, 6. April 2014

Italiens Nationalisten in der Zweiten Republik




Aktualisiert am 8. Aptil 2014. Die Grafik zu den Parteien in besserer Qualität ist auch als .pdf abrufbar.

Eine Ergänzung zur Situation des nationalistisch-neofaschistischen Lagers im Italien der Zweiten Republik. Dieses ist in den letzten zwei Jahrzehnten durch folgende fünf Faktoren gekennzeichnet.


  1. Zersplitterung. Nach der Auflösung des "gemeinsamen Dachs" MSI ist das rechte Lager von einer starken Fragmentierung geprägt. Sieben politische Gruppen haben sich gebildet, vier (La Destra, Fiamma Tricolore, Forza Nuova und CasaPound) konkurrieren heute um Einfluss und Stimmen.
  2. Personenbezug. Eng mit dem ersten Punkt verbunden ist die Orientierung an politischen Persönlichkeiten, die den Kleinparteien ihren Stempel aufdrücken: Romagnoli und Rauti für die Fiamma, Fiore für die Forza Nuova, Storace für La Destra und Iannone für CasaPound. Die Bindung an diese Führungsfiguren dominiert über die Parteienbindung und erklärt die hohe Fluktuation bei den Formationen.
  3. Spannung zwischen alt und neu. Das rechte Lager ist gespalten zwischen der Bewahrung des Erbes des MSI (bzw. des Faschismus) und dem Versuch einer Neuorientierung und Modernisierung. Dies drückt sich programmatisch, personell und symbolisch aus. Während sich etliche Formationen im Erbe des MSI sehen (Fiamma, Alternativa Sociale, ect.), stehen Forza Nuova, La Destra und CasaPound für den Versuch einer inhaltlichen Erneuerung. Das Aufkommen des Keltenkreuzes in den 80er-Jahren steht für diese Suche nach Neuorientierung jenseits des "faschistischen Erbes".
  4. Auflösung des antifaschistischen Konsenses. Die sofortige Integration des AN nach der "Wende von Fuggi" sowie die Berlusconi-Koalition von 2006, bei der von Fiamma Tricolore bis Mussolini das ganze rechte Spektrum vertreten war (trotzdem gewann die Linkskoalition von Prodi), markieren das Ende der Ausschlusspolitik gegenüber post- und neofaschistischen Gruppen in Italien. Mit der AN, La Destra und Fratelli d'Italia sind Parteien entstanden, die als Scharnierfunktion zwischen dem konservativen und dem nationalistisch-neofaschistischen Lager fungieren.
  5. Politische Schwächung. Die Auflösung des MSI (5% bei den Wahlen 1992) hat einerseits über Lega Nord, AN und andere eine Diffusion von Rassismus und Nationalismus in breite Bevölkerungsschichten befördert; andererseits ist der harte Kern des rechten Lagers jedoch politisch schwach: Keine ihrer Parteien ist im Parlament vertreten, die summierten Ergebnisse schwanken zwischen 0,5 und 2,7% der Stimmen. Ihr Potential liegt daher stärker im Einfluss auf andere Rechtsparteien als in der direkten politischen Machtausübung.