Sonntag, 20. Oktober 2013

24 Prozent für Le Pen?

Droht ein Erdrutschsieg? Das französische Meinungsforschungsinstitut IFOP prognostiziert dem Front National phänomenale 24% bei der Europawahl im Mai 2014 und hat damit die politische Landschaft Frankreichs in Aufruhr versetzt. Damit läge der FN noch vor den beiden etablierten Parteien UMP und PS, die sich relativ konstant um die 20% halten, an erster Stelle; Demokratische Bewegung und Linksfront steigern sich leicht, großer Verlierer wären die Grünen, die von 16 auf 6% abstürzen.


Das Umfrageergebnis erinnert an 2011, als das Boulevardblatt "Le Parisien" eine Meinungsumfrage veröffentlichte, die dem FN bei der Präsidentschaftswahl rund 23% und damit den Sieg in der ersten Runde gab; andere Umfrageergebnisse lagen bei 20%, geworden ist es letztendlich mit 17,9% immerhin das beste Ergebnis der Parteigeschichte.
Ebenso gegen diese Prognose spricht die Tatsache, dass der Front National traditionell bei Europawahlen schlechter abschneidet als bei Präsidentschafts- und Parlamentswahlen. Sowohl in relativen als auch absoluten Zahlen (vgl. Abb. 1) fielen die Ergebnisse bei den Wahlen zum Europaparlament stets geringer aus, was bei einer Partei mit ausgeprägter EU-Feindschaft nicht verwundert.
Abb. 1: Wahlergebnisse des FN in Prozent (2014: Prognose)
Andererseits war es die Europawahl von 1984, die dem FN zum Durchbruch verhalf und ihr seitdem einen beständigen Platz im französischen Parteiensystem sicherte. Könnte die Wahl im nächsten Jahr erneut eine solche Wende bringen?
Die Chancen stehen für die Partei durchaus nicht schlecht. Nach der tiefen Krise von 2007 (bei den Parlamentswahlen erreichte der FN nur magere 4,3%) und finanziellen Problemen konnte das Ruder noch einmal herumgerissen werden. Drei Jahre später gelang der Erfolg bei den Regional- und Kantonalwahlen: In den Gebieten, in denen der FN antrat, wurde durchschnittlich 15,1 bzw. 24,5 Prozent erreicht. Die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen von 2012 mit 13,6 und 17,9% bestätigen die steil nach oben weisende Trendlinie.
Diese Rückkehr einer schon totgesagten Partei geht vor allem auf die Kappe der unter Marine Le Pen eingeleiteten Modernisierung und Neupositionierung als wählbare Alternative jenseits des rechten Ecks, insbesondere seitdem sie 2011 die Parteiführung übernommen hat.
Abb. 2: Wahlergebnisse der FN in absoluten Zahlen (2014: Prognose)
Dass die 24% durchaus im Bereich des Möglichen liegen, beweist ein Blick auf die absoluten Wahlzahlen (Abb. 2). Um dieses Ergebnis zu erzielen, würde der FN bei gleicher Wahlbeteiligung wie 2009 rund 4 Mio. Stimmen benötigen - also ungefähr so viel wie bei der letzten Parlamentswahl und weit weniger als bei der letzten Präsidentschaftswahl, bei der sie über 6 Mio. Stimmen erhalten hat. Da die Wahlbeteiligung bei Europawahlen jedoch traditionell deutlich schwächer ist, hängt es letztlich davon ab, inwieweit der FN es schafft, seine WählerInnen für diese Wahl zu mobilisieren.
Und auch wenn die Zahl von 24 Prozent wahrscheinlich zu hoch gegriffen ist, so ist aufgrund der letzten Wahlerfolge immerhin von einem sehr guten Ergebnis um die 17% (3 Mio. Stimmen) auszugehen.